"Alter Bahnhof" steht Kopf und feiert die heißeste Stimme Karlsruhes
parnass
08/2005
kultur-magazin

Wenn sie spricht, ist sie die deutsche Synchronstimme von „Mickey Mouse“, aber wehe, ihr ist ein Mikrofon und eine Hand voll Instrumentalisten gegeben, dann entfesselt sie eine Power, die Gehörgänge und Herzen erobert und Hirne zur Explosion bringt! Sandy Wollasch war Mitte Juli einmal mehr Gastsängerin (weiterer Gaststar: Ira Diehr) beim längst legendären „Matthias-Hautsch-Trio“ und gemeinsam lockten sie einmal mehr die Massen zum „Sonntagsfrühschoppen“ in den „Alten Bahnhof“. Wie bereits beim Konzert vor zwei Jahren hatte die unbeständige Witterung den Open-Air-Freunden einen Strich durch die Rechnung gemacht und ein sichtlich erschöpfter „Kulturattachee“ Klaus Maier hatte vom hin- und herschleppen der anlage Arme bis auf den Boden. Umso besser, konnte er damit doch noch frenetischer applaudieren, als die Wollasch mit Madonnas „Like a virgin“ sein Lieblingsstück zum Besten gab.

Es ist die Kunst, die Wünsche des Publikums wie im Schlaf zu erraten und dann in grandiose Musik umzusetzen, die neben dieser Band kaum eine Zweite in dieser Perfektion beherrscht: Jede Regung im Auditorium nehmen die Vollblut-Musiker auf und setzen sie in wahrhaft klingende Münze um. So fesselten Frontmann und Extraklasse-Gitarrist Hautsch zusammen mit seinem Bassisten Thorsten Steudinger und dem Drummer Cay Rüdiger die Massen durchaus auch instrumentell. Kein Problem für drei Musiker, denen Töne statt Blut durch die Adern zu fließen scheint, und die pure Lebensfreude in rauen Mengen über dem Publikum auszustreuen haben. Dabei kommt den drei erstklassigen Meistern ihres jeweiligen Instruments zugute, dass sie das, was sie aus vollem Herzen rüberbringen wollen, ganz ohne Probleme auf Saiten und Felle zu übertragen und in Musik zu übersetzen verstehen. Technische Versiertheit paart sich bei diesem Trio mit interpretatorischem Witz und einer unglaublichen Phantasie. So nimmt die Band, die „irgendwie“ auch covert, bekannte Werke aus Jazz, Pop und auch einmal Rock, zertrümmert die ursprüngliche (meist recht flache) Tonsprache in ihre Grundelemente und baut daraus – Ton für Ton und gleichsam Atom für Atom – ein neues achtes Weltwunder zusammen: Musikalische Reinkarnation mit viel Esprit und Geist.

Wenn zu diesen drei Musikgrößen noch eine Powerfrau wie Sandy Wollasch tritt, die zu recht den Titel „heißeste Stimme Karlsruhes“ trägt, dann ist der Ekstase keine Barriere mehr gesetzt: Die biegbare Stimme der jungen Frau begeistert und raubt gerne auch mal den Atem, wenn sie „a sentimental mood“ Ella Fitzgerald ein Denkmal setzt, indem sie die uneinnehmbare amerikanische Jazz-Ikone gerade nicht kopiert, sondern nur ihren bekannten Titel in ganz neue Zusammenhänge setzt.

Einmal mehr stand der „Alte Bahnhof“ Kopf und es ist überhaupt keine Frage: Matthias Hautsch und seine Mannen und vor allem Sandy Wollasch haben – frei nach dem Hit Dinah Washingtons - gezeigt, „what a difference a day makes- and the difference is you!“

 

Funk, Latin und Jazz gekonnt gemischt
Matthias Hautsch Quartett mit Astrid Tischmeyer beim Jazz im Schloss Neuenbürg

NEUENBÜRG.Einen Abend, der verzaubert hat, haben die Gäste beim zweiten diesjährigen "Jazz im Schloss Neuenbürg" erlebt. Fusion nennt sich, was das Matthias Hautsch Quartett samt Sängerin Astrid Tischmeyer spielen: eine gediegene Mixtur aus Funk, Pop, Latin und Jazz. Das Programm kündigt das Konzert mit "smooth" an und genau so fühlt es sich an: Butterweich unter die Haut gehende Klangcollagen mit facettenreich arrangierten Stücken, die geradezu dazu einladen, sich zu vergessen und darin zu versinken.

Dass der Studio-, Theater- und Live-Musiker dabei immer wieder auf gerne gehörte Klassiker wie diverse Police-Songs und Balladen wie Roberta Flacks "Smoke gets in your Eyes" zurückgreift, stört dabei nicht im Geringsten - im Gegenteil. Bereits die Instrumental-Interpretation des ersten Stückes, ein fast nicht wiederzuerkennender Titel der Red Hot Chili Peppers, gibt Einblicke in die Arbeitsweise des Gitarreros: "Ich hab den Song einmal beim Autofahren im Radio gehört, dann nie wieder", erzählt Hautsch der PZ. Mit kreativem Potenzial verleiht er den Versatzstücken ein ganz andersartiges, eigenes Gepräge.

Matthias "Matsche" Hautschs musikalische Sozialisation an der Gitarre begann im Alter von 18 Jahren mit der Luftgitarren-Imitation des 80er-Jahre Hardrockers Van Halen, wie der Straubenhardter Musiker auf seiner Internet-Homepage verrät. Daran erinnert heute nur noch die zottelige Kultfrise, die Hautsch Haupt schon seit Jahren ziert und hinter der er sich beim Spielen immer wieder, völlig in die Musik versunken versteckt. So kennen ihn seine Fans, so schätzen ihn regionale Musikerkollegen. Einigen hat er seine Fingerfertigkeit an schnellen Gitarrenläufen im Unterricht weitervermittelt. Für sie ist er ein Idol.

Doch seit Hautsch sein Studio in Bad Herrenalb aufgebaut, die Kult-Bands Cezanne und Get it gegründet, das Nachrichtentechnik-Studium abgeschlossen und Abschlüsse wie an der Musikschule in Wien gemacht hat, ist einige Zeit vergangen. Inzwischen ist er Mitte 30, an CD-Produktionen mit namhaften Künstlern beteiligt und tourt selbst erfolgreich, wahlweise als Trio oder Quartett, bundesweit durch die Lande.Für seine Auftritte lädt Hautsch sich traditionell verschiedene Gastsänger ein, diesmal die bezaubernde Astrid Tischmeyer. "Total stimmgewaltig", sagt Sänger Freddy Puhl anerkennend, der im Publikum weilt. In der Tat: Das Matthias Hautsch Quartett will berühren, emotional anregen - und dies transportiert Tischmeyer bestens. Wenn sie Holly Coles "Cry if you want to", Eva Cassidys "People get Ready" oder Norah Jones' "Don’t know why" als Zugabe ins Mikro haucht, denkt wohl kaum ein Zuhörer mehr an die Originale. Mit klassischem Jazz hat das weniger zu tun.

Dies machen jedoch die beiden Eigenkompositionen Hautschs wieder wett, die mit vielen Jazz- und Funk-Elementen arbeiten. Die anderen Musiker zeigen hierbei ihr Können, indem sie ansprechende Soli spielen: Torsten Steudinger (Bass), Cay Rüdiger (Schlagzeug, Percussion) aus Bad Dürkheim und Michael Quast (Keyboards) aus Schwetzingen, die perfekt zusammenspielen, homogen und geschlossen harmonieren. Hautsch selbst zeigt sich technisch wie stilistisch ausgefeilt, ob an der elektrischen oder an der Akustikgitarre.

Aus den warmen, melodiebetonten Stücken heraus sticht ebenso die fetzige Interpretation eines selten gespielten, schwierig geltenden Stückes von Charles Mingus. Alle Instrumen-talisten zeigen, auf welch hohem Niveau sie agieren und improvisieren können, wenn sie sich ansonsten ins Gefüge der feinen Arrangements einordnen. Spätestens als das Quartett als letzten Titel Joni Mitchells "Big Yellow Taxi" anstimmen, das derzeit die US-Band Counting Crows recht erfolgreich covern, gibt es für das Publikum kein Halten mehr. Viel Jubel und lang anhaltender Beifall provozieren zwei Zugaben als krönenden Abschluss für einen so anregenden wie entspannenden Hörgenuss. Michael Müller

Es folgen an den kommenden Freitagen, jeweils um 20.30 Uhr: am 16. Juli, Electropop mit Hellmut Hattler & Band (u. a. Sebastian Studnitzky und Sandie Wollasch); am 23. Juli Swing mit dem Klaus Bader Oldtime Jazz Quartett.


Ressort: Kultur - regional
Erstellt am: 12.07.2004

 

Mannheimer Zeitung Juni 2002


Aufpoliertes Bild vom Jazz gibt Improvisation neue Züge


Matthias-Hautsch-Trio begeisterte beim "Musikalischen Frühschoppen" / Gastsängerin Sandy Wollasch mit "ganz viel power"
Neulußheim. Einen perfekten Auftritt erlebte die Saison des "Musikalischen Frühschoppens" am vergangenen Sonntag im "Alten Bahnhof"der Gemeinde Neulußheim: Das Matthias-Hautsch-Trio gastierte vor einem knallvollen Saal mit einer Melange aus Jazz- und Pop-Nummern.
Eigentlich sollen die Frühschoppen ja im Bahnhofsgarten stattfinden, das kühle und unbeständige Wetter zwang die Gäste allerdings hinein - was der Veranstaltung aber keinen Abbruch tat. Zusammen mit seinem Drummer und dem Bassisten Thorsten Steudinger nahm Gitarrist Hautsch sich und seine Musik weit genug zurück, um die Gäste auch in dem kleinen Saal nicht zu erdrücken.
Überhaupt ist die Flexibilität ein ganz markantes Erkennungszeichen dieser Formation: Nur wenigen Ensembles gelingt es, sich so perfekt an die Stimmung im Publikum, an die Wünsche der Zuhörer und an die Gegebenheiten vor Ort anzupassen, um jeweils die richtige Sprache, den richtigen Umgang, den richtigen Drive zu wählen.
Vielleicht versteht Hautsch sich mit seinem Publikum deshalb so gut. Und das Publikum versteht den Musiker, der es liebt, bekannte Titel durch den Fleischwolf seiner Gedanken zu drehen und ganz neue, reizvoll andersartige Improvistionen aus den Versatzstücken zu entwickeln. Dabei ist die Hingabe, die alle drei Musiker an ihre Kunst zelebrieren, ein Garant für die besondere Spielweise, in der sich Rhythmus und Melodie als Einzelkomponenten völlig aufzulösen scheinen, um ein gemeinsames Ganzes hervorzubringen, das weitaus mehr ist als die Summe seiner Teile.
Sie demonstrieren mit jedem Takt, dass Jazz eine pulsierende Lebensader sein kann, etwas, das Freude macht und Freude bereitet. dem Stil dieser Truppe geht angestaubte Patina völlig ab, sie polieren das Bild vom Jazz auf, geben der freien Improvisation neue Züge und gestalten damit die Hörwelt ihrer zuhörer völlig neu.
Sicherlich kommt ihnen dabei die aus unzähligen Auftritten herrührende Professionalität und die aus gemeinsamen Auftritten mit anderen Größen quellende Verortung zugute - dem Auditorium wurde schon nach dem ersten Stück klar, dass hier drei Vollblutmusiker spielen, denen die Seele überläuft.
Bereits traditionell lädt Hautsch sich zu seinen Auftritten Gastsänger ein. Diesmal war es die Karlsruherin Sandy Wollasch. Die zierliche Person kam mit einer unglaublichen Power in der Stimme daher, mit einer enthusiastischen Interpretationsfreude und einem ausgelassenen Wesen, das nicht nur das Publikum gefangen nahm, sondern das sich vor allem perfekt in die fordernde Musik des Trios einpasste. Stimmlich völlig befreit und unabhängig gab sie dem Instrumentalsound eine Vitalität mit, dass es im wahrsten Sinne des Wortes nur so krachte.
Die Dreißigjährige ist bekannt als Frontfrau der "Groove Incorporation", erlangte aber ganz besonderen Ruhm in der Jazz-Sparte durch gemeinsame Produktionen mit der Band von Echo-Preisträger Helmut Hattler.
Der Jazz scheint der vitalen Blondine wie auf den Leib geschnitten, sie nutzt alle Freiräume, die er einräumt, mit ihrer beeindruckenden Stimme aus und setzt so Akzente, die unvergeßlich bleiben - die ABBA-Hymne "Waterloo" aus ihrer Kehle und in ihrer Machart ist eben eine ganz andere, höchst eigene Art von Musik.
Bis zum letzten Ton der Zugabe "Stand by me" (gemeinsam mit "Speedy-Gonzales"-Sängerin Sandy Wiede) hauchte, dröhnte, jubilierte sie - und hinterließ ein Publikum, das restlos begeistert war von einem Auftritt, der für die diesjährigen Sonntags-Frühschoppen sicherlich einen hohen Maßstab gesetzt hat.
mhw

FUSION MIT BIß / Stuttgarter Zeitung

CD-Debüt von Matthias Hautsch

Besser kann ein Debüt kaum gelingen als die CD" GET IT" des Gitarristen Matthias Hautsch.
Sie hat genau das, was den Platten deutscher Musiker oft fehlt : Biß. Da Matthias Hautsch vor
allem als Studio- und Theatermusiker arbeitet, war er auf der Live-Szene weitgehend unbekannt.
Das sollte sich nach dem erscheinen des Erstlings schleunigst ändern, denn das Matthias Hautsch´s
Get it genannte Sextett spielt genau jene Art der Fusion, die danl prägnanter Themen und klarer
Gliederung ins Ohr geht und ein Publikum schnell zu fesseln vermag. Zudem sind die Stücke clever
arrangiert, kosten Klangfarben aus und meiden Wiederholungen. Direkt und selbstbewußt wie eine
Rockband geht die Band auf ihre Hörer zu, und ohne Leerlauf reichen die Musiker die Solistenstafette
weiter. Der Trompeter Sebastian Studnitzky und der Saxofonist Libor Sima sorgen für wohldosierte,
in Balladen wunderbar weiche, in rockenden Nummern scharfe Bläserklänge. Zudem bilden der
Elektrobassist Christoph Dangelmaier, der Keyboarder Holger Engel, der Schlagzeuger Torsten Grau
sowie in zwei Stücken der Percussionist Heinrich Klingmann eine homogene, in sich spannungsreiche
Rhythmusgruppe. Ebenfalls in zwei Titeln gesellt sich der amerikanische Gitarrenstar Mike Stern zu
der Band. Seine beiden exzellenten Soli sind eine nette Geste unter guten Freunden. Aber auch ohne
sie hat die abwechslungsreiche Fusionscheibe des Sextetts überdurchschnittliche Klasse.

WS

MUSIKWINTER / Saisoneröffnung mit grandiosem Jazz-Konzert in Gschwend - Rundschau 20.10.1998

Michael Brecker Group begeistert - Warm up "Get it"
Auch dieses Jahr wartete das "bilderhaus" in Gschwend zur Eröffnung des ,,Musikwinter"' mit
international renommierten Künstlem auf. In diesem Fall mit der "Michael Brecker Group" und
"Get it!" als ,,special guest". Was den rund 400 Besuchern geboten wurde, war ein Konzert der
Extraklasse.
FLORIAN SCHMÜCKLE
GSCHWEND
Den Auftakt zu einem Konzert, das selbst verwöhnte Genre-Liebhaber begeistern mußte, übernahm
"Get it!". Obwohl sich deren Saxophonist nach seinem letzten Konzert beide Handgelenke gebrochen hatte,
konnten die Absolventen der Stuttgarter Musikschule mit virtuosen Klangcollagen auf dem ihnen eigenen
Mix mit Funk, Pop, Jazz (und der daraus resultierenden explosiven ,,Fusion" mit zum Teil rockig
anmutenden Passagen) das Publikum angemessen auf den Star des Abends und sein Ensemble einstimmen.
Mit einer von Michael Brecker komponierten Hommage verabschiedete sich die Formation mit Christoph
Dangelmaier (Gmünd) und Matthias Hautsch (laut Fachmagazin "jazzpoint", einer der
talentiertesten Gitarristen der europäischen Fusion-Szene"), nach rund 50 Minuten von der Bühne und
schickte die Hörerschaft in eine dreißigminütige Pause, die Gelegenheit gab, sich den kulinarischen
Köstlichkeiten zu widmen.
Der mit sieben Grammy-Nominierungen bedachte, in seiner Experimentierfreudigkeit und Vielseitig-
keit wohl einzigartige und nunmehr dem akkustischen Jazz verfallene Saxophon-Virtuose Michael Brecker
servierte zum Auftakt seiner Europa-Tournee in Gschwend die Höhepunkte seiner aktuellen CD. Zu-
sammen mit Joey Calderazzo (Piano), James Genus (Bass) und Ralph Peterson (Schlagzeug) bot er dem
Konzert in einer professionellen Präzision............
Im Fusions-Fieber

Gelungenes Hip-Hop/Jazz-Experiment im Kupferdächle - 4.12.00

So sieht das also aus, wenn die alte Dame auf jungen Hüpfer trifft: beim Jazz meets Hip-Hop
Konzert des Jazzkellers im Kupferdächle am Freitag gerieten scharfe Cuts und feine Gitarren-
Soli, ein sauberer Bass und derbe Raps, unterstützt von einem anständigen Schlagzeug aneinander.
Zufrieden waren alle Beteiligten, Fans wie Musiker nach dem interdisziplinären
Musizieren. Obwohl sich nur gut 80 Zuhörer im Kupferdächle eingefunden hatten. Besonders
Matthias Hautsch an der Gitarre als Vertreter des "Jazz-Trios" und DJ Sket von ,,Bucket
Ghost und Ghost Writer" ließen ihr ganzes können aufblitzen. DJ Sket starrte ungläubig auf
die Finger von Matthias Hautsch, wenn dieser seiner Gitarre den Jazz entlockte. Und Hautsch
schaute dem Platenkratzer von "Bucket Ghost" ungläubig auf die Nadel, wenn dieser die
1210er bearbeitete. Im zweiten Part der Jazz/Hip-Hop-Symbiose hatten die Beteiligten
aneinander gewöhnt und Sket und Hautsch fabrizierten so manch interessante Soundfusion.
Überhaupt verliehen die Jazzer den Liedern der Hip-Hopper einen neuen Schliff. Großartig,
wie die Ballade "Der Mut der Kriegerin" mit instrumentaler Unterstützung noch stärker unter
die Haut ging, als im Original. Oder wie das "Jazz Trio", allen voran Bassist Thorsten
Steudinger, der Ragga-Nummer "Marianne Sativa" ein feines Jazz-Gewand überstreifte.
"Bucket Ghost und Ghost Writer hatten uns ihre ,,Lieder auf CD geschickt, wir haben
dann unsere Parts heraus gehört", erklärte Matthias Hautsch das Geheimrezept des starken
Konzerts. So geriet jedes der Stücke zu einer Jam-Session. Hautsch, Steudinger und
Schlagzeuger Christoph bildeten einen jazzigen Klangteppich, in den "Bucket
-Ghost und Ghost Writer" gekonnt ihre Rap-Parts verpackten. Und am Ende zeigte sich, dass
die Alte Dame Jazz dem jungen Hüpfer Hip-Hop an Vitalität nichts nach steht.

Ingmar Volkmann
Der Ton ist wie das Leben / JazzPodium
MATTHIAS HAUTSCH

"Seit ich Musik mache, bin ich zufrieden." Als sich Matthias Hautsch vor sechs Jahren der
Jazzmusik zuwandte, ließ er sich auf ein Experiment ein: Damals war er von seinem Studium
als Nachrichten-Ingenieur so frustriert, dass er einfach wissen wollte, ob er den Sprung in die
professionelle Musikwelt packt. DerJazz-Gitarrist aus Bad Herrenalb im Schwarzwald
schaffte ihn. Jetzt ist seine Debüt-CD mit seine Fusion-Band "Get it" erschienen. Ein Star aus
den USA ist auch darauf zu hören: Gitarrist Mike Stern machte bei seiner Europa-Tournee
einen Abstecher ins hauseigene Studio von Hautsch und spielte zwei Soli ein. CDs türmen
sich, Kasseteen liegen verstreut. Matthias Hautsch sitzt mit seiner E-Gitarre vor dem PC in
seinem Studio und spielt schnelle Läufe. "So klingt ‚Eruption' von Van Halen", erklärt er.
Dieses Stück hat ihn als 18jährigen so "von den Socken gehauen, dass ich mir gesagt habe:
das will ich können". Doch erst als er mit 28 Jahren sein Ingenieur-Studium abgeschlossen
hatte und sich entschied, statt den Beruf auszuüben auf die Musiker-Schule nach Wien zu
gehen, kam der absolute Kick zum Spielen: "Ich habe ein halbes Jahr lang nur geübt. Fünf bis
neun Stunden pro Tag. Ich habe nichts von Wien gesehen, nur meine Bude." Morgens um
fünf Uhr aufstehen. Sounds testen. Grooves und Skalen üben. Matthias Hautsch mußte einmal
im Leben das machen, was er wollte, Inzwischen tut er das jeden Tag.
Der 34jährige spielt in diversen Formationen, tritt im Pforzheimer Stadttheater auf, produziert
in seinem Studio Musicals oder bereitet Schüler auf die Musikhochschule vor. Beim ersten
Mercedes-Benz-Jazz-Wettbewerb letzten Winter belegte er mit seiner Band den 2. Platz.
Auch bei den diesjährigen Theaterhaus-Jazztagen in Stuttgart stand er mit "Get it" auf der Bühne.
"Ich ziehe bestimmte Dinge durch", sagt Matthias Hautsch freundlich, aber entschieden. Er
hat vor Augen, was er will. Das hatte er auch letzten Sommer, als er seine CD im eigenen
Studio in Bad Herrenalb produzierte. "Ich habe meine Messlatte ganz hoch angesetzt." Er
möchte, dass seine CD mit anderen Produktionen von erstklassigen Musikern mithalten kann.
Einen solchen hochkarätigen Musiker konnte Matthias Hautsch auch für seine CD gewinnen:
den amerikanischen Jazzgitarristen Mike Stern: "Ich war bei ihm auf Workshops. Als er in
Karlsruhe sein Konzert hatte, fragte ich ihn." Stern sagte zu und kam.
Die "Get it"-Formation bezeichnet Hautsch als eine "Gute-Laune-Bombe". Monate hat er
gebraucht, bis er die Band zusammengestellt hatte. "Ich wollte Menschen haben und nicht
irgendwelche Größen."
Unbekannt sind diese Musiker aber keineswegs. Trompeter Sebastian Studnitzky hat sich in
der Jazzszene schon lange einen Namen gemacht. Egal, ob eine Bebop-Nummer mit Funk-
Groove oder eine Ballade mit wechselnden Rhytmen, zu allen Stücken weiß derVater von
zwei Kindern eine Geschichte. So auch zum Titel "Winds", "Blähungen" auf deutsch. Unter
diesen litt sein älterer Sohn als Baby. Matthias Hautsch nahm den schreienden Säugling, legte
ihn auf seinen Schoß, damit der sich beruhige und schrieb ein Stück. "Winds" entstand so,
nachts um halb vier. "Bei dieser CD-Aufnahme klappte dieses Stück auch nachts um halb
vier, nachdem wir den ganzen Tag gespielt hatten", lacht Matthias Hautsch.
Wenn der Gitarrist auf ein Konzert geht, können ihm schon einmal die Tränen kommen: "Ich
heul gern bei Musik, wenn ich voll dabei bin."
Wenn ihn die Musik berührt. Wenn er emotional betroffen ist. Aber sein unverwechselbarer
Ton entsteht im Kopf. Vor dem Spielen muss er sich vorstellen können, wie sein Sound
klingen soll. "Der Ton ist wie das Leben", sagt der Bad Herrenalber. "Für mich ist der Ton etwas Weiches."
Egal, ob der Musiker traditionellen Jazz, Funk oder Fusion spielt - die Improvisation ist dann
für ihn Kommunikation. Kontakt mit den Musikern und dem Publikum, das sucht der
aufgeschlossene Gitarrist. Im Zusammenspiel mit anderen, im gemeinsamen Groove geht er
auf. Auch wenn der Musiker und Komponist musikalisch "ein tierisches Ego" hat.
Matthias Hautsch nimmt seine Gitarre und spielt wild. Ob er einmal ganz groß rauskommt,
darauf kommt es ihm nicht an: "Ich mach Musik und bin dabei, es zu können."

Text: Eva-Maria Bolay
Foto: Maria Hopp
Auch am dritten "Fest-Tag" regierte mit "Get it", "Ezio" und "Suzanne Vega" in Karlsruhe
wieder die Musik

NOCHMAL PARTYSTIMMUNG ZUM SCHLUSS

Noch einmal richtig zur Sache ging es am letzten Tag beim "Fest" in Karlsruhe. Wer dachte,
nach den "Simple Minds" und "Neneh Cherry" seien die Höhenpunkte des Open-air-Festivals
vorbei, hat sich getäuscht.
Am Sonntag nachmittag stand, bei strahlendem Sonnenschein, der Pforzheimer Gitarrist
Matthias Hautsch mit seiner Band "Get it" auf der Bühne. Immer wieder setzte er bei seiner
musikalischen Reise durch Jazz, Rock, Latin und Funk zu Soloexkursionen auf seiner Gitarre
an, ohne dabei seine hochkarätig besetzte Band in den Hintergrund treten zu lassen. Dafür,
dass die Fusionsklänge wie aus einem Guss wirkten, sorgte unter anderem Sebastian
Studnitzky, "Get-it-Trompeter""und baden-württembergischer Jazzpreisträger.
Die anschließende halbstündige Umbaupause nutzten die meisten Festbesucher, um sich das
umfangreiche Programm .............
Von PZ-Mitarbeiter Sven Bernhagen
TIERISCH GUT ABGEGANGEN

Matthias Hautsch mit seinem Trio eröffnete den Jazzsommer Bad Liebenzell

Bei gleichbleibenden oder gar sinkenden Übernachtungszahlen müssen sich die Ferien- und
Kurorte um neue Gäste und Besucher bemühen. Allerorten ist man um Schärfung des
ortstypischen Profils bemüht. In Bad Liebenzell macht man in diesem Jahr zum dritten Mal
ein spezielles Angebot an die Jazzfreunde der Region, den "Bad Liebenzeller Jazz-Sommer".
Hatte man sich in den vergangenen Jahren auf eher traditionellen Jazz und die
Veranstaltungsräume im Kurhaus beschränkt, wird in diesem Jahr erstmals eine größere
Bandbreite vorgestellt. Die Organisatoren haben sich außerdem bemüht, die verschiedenen
Formationen im jeweils passenden Rahmen zu präsentieren.
Den Anfang machte am vergangenen Mittwoch die Formation "Get it" um den Gitarristen
Matthias Hautsch. Als idealer Auftrittsort erwies sich die Maisenbacher Sägmühle, in deren
Schankraum sich die Jazzfreunde drängten. Eng, rauchig, heiß war es in den Räumen,
hervorragende Bedingungen also für das Sextett. Und die jungen Musiker enttäuschten ihr
Publikum nicht: laut, schnell, erdig direkt.
Der Holzdielenboden übertrug die Rhytmen, die Thorsten Grau auf seinem Schlagzeug
hämmerte, die Basslinien Christoph Dangelmaiers nahm die Magengegend genauso intensiv
wahr wie die Ohren. Wenn Sebastian Studnitzky seine Trompete und Libor Sima sein
Saxophon bedienten, wehten den Zuhörern scharf gesetzte Einwürge genauso um die Ohren
wie virtuos durchblasene Themenköpfe.
Meisterhaft befingerten auch Holger Engel, Keyboard, und Bandleader Matthias
Hautsch, Gitarre, ihre Instrumente. Beide nutzten aber auch gekonnt die technischen
Möglichkeiten; die Verstärker, Soundgeneratoren und Effektgeräte zur Verfügung stellten.
Nein, Musik zum sonntäglichen Frühschoppen, Hintergrund zum Plausch, Musik um
nebenher ein Schlückchen zu sich zu nehmen, war das beileibe nicht. Latin-Rhytmik mit
Rockmelodik, geslapter Funkbass zu Be-Bop-Bläserlinien, Jazzharmonik, über der sich
Popballaden breitmachten: Matthias Hautsch wildert respektlos, und heraus kommt Musik.
Die Zuschauer wurden aber nicht nur eingedeckt, "Get it" gönnte auch Momente zum
Zurücklehnen. "Rue des Pierre" hieß zum Beispiel ein Stück, das Hautsch auf der akustischen
Gitarre spielte. Eine lyrische Melodie war da über eher statische Akkorde gelegt. Hautsch ließ
den Klang durch den Raum hallen, ehe er das Stück mit sphärischen Flageolett-Tönen schloss.
Nein, John Lennon ist nicht der einzige Träumer.
Auch das Trio Hautsch, Dangelmaier, Grau outete sich. Während "Imagine" beim Ex-Beatle
die Botschaft in Harmonie und Wohlklang packt, hielten es die drei Musiker von "Get it" eher
mit Zupacken. Inspirieren läßt sich beim Komponieren Hautsch gern von Dingen, die ihn
gerade beschäftigen. So motiviert ihn zum Beispiel sein Sohn.
Ob es nun nächtliche Blähungen sind, die den Vater wach halten, so dass ihm die Idee zum
Titel "Winds""kam, oder Lautäußerungen wie "Baoi", die für Papi wie Musik klingen und mit
einem Schuffle-Rhythmus unterlegt auch tierisch abgehen.
Nicht gerade zimperlich ist der Umweltaktivist Paul Watson. Er versenkt, wenn das ohne
Gefahr für Menschenleben geht, Walfangboote. Matthias Hautsch zeigte sich beeindruckt und
komponierte für "Get it" ein Stück Ermutigungsmusik. "Watson go on" heißt der Titel. Die
Zuhörer waren begeistert, es zuckte manches Bein, und einige wären unverzüglich
losgezogen, hätte die Aufforderung ihnen gegolten. So waren denn auch die hörbaren
Reaktionen des Publikums Entzückensrufe und Applaus. Dass die Band nicht ohne mehrere
Zugaben von der Bühne durfte, sollte die Macher des Festivals ermutigen, auch weiterhin
unkonventionelle Musiker und Bands einzuladen.
Sebastian Weber
"Get it" im Jazzkeller

ZÜNDENDES GEMISCH

Ein zündendes Gemisch aus Funk, Latin, Rock und Jazz gelang den Musikern der Band "Get
it" im Jazzkeller an der Rudolfstraße. Wie Bandleader mitteilte, gibt es zwar die Gruppe "Get
it" schon etliche Jahre, aber in dieser Besetzung war es eine Premiere - die neuen Mitglieder
hatten erst zweimal miteinander geprobt. Dafür klappte das Zusammenspiel hervorragend und
die Band begeisterte ihr Publikum, das in beängstigender Fülle in den Räumen des Jazzkellers Platz nahm.
Matthias Hautsch, von dem die meisten Titel geschrieben waren, überzeugte durch originellen
Einfallsreichtum. Die Musik hat einen vitalen und dynamischen Impuls, der von Libor Sima
(Saxophon) und Sebastian Studnitzky (Trompete und Flügelhorn) konsequent und inspiriert
weitergetragen wurde. Thorsten Grau am Schlagzeug brachte vor allem mit Latin-Rhythmus
Farbe ins Spiel, und Christoph Dangelmaier am Bass sorgte für einen grooving underground.
Mit dem Verschmelzen der verschiedenen Jazzstile gelang "Get it" eine beeindruckende
Synthese mit einem neuen, eigenständigen Sound, der vom Publikum begeistert
aufgenommen wurde. Die Musik zeichnete sich sowohl durch innere Ruhe als auch durch
temperamentvolle Impulsivität aus.
Tiha
Konzert in Wildbad

VOM JAZZ BIS ZUM FLAMENCO


Zum vierten Mal konnte der Wildbader Kulturbeutel nun im kulturellen Leben Wildbads
einen neuen Farbtupfer setzen. Die beiden Gitarristen Diego Zendeh und Matthias Hautsch
boten eine große Anzahl von Eigenkompositionen, die ihre beachtliche Fingerfertigkeit, ihr
rhytmisches Empfinden und hohe Musikalität eindrucksvoll demonstrierten.
Die Zuhörer konnten sich an der Vielseitigkeit der beiden Künstler erfreuen, so dass für jeden
etwas dabei war: moderner Flamenco war ebenso zu hören wie Bossa- und Jazzelemente,
lateinamerikanische Rhytmen und Stücke von Paco De Lucia, Al Di Meola, John Mc Laughlin, Mike Stern oder Van Halen.
Wieder vermochte der Wildbader Kulturbeutel durch eine einfühlsame Raumgestaltung, zu
der dezentes Kerzenlicht ebenso wie eine sparsame Verwendung von Scheinwerfern gehörte,
den äußeren Rahmen für den musikalisichen Genuss zu schaffen, den das sachkundige
Publikum ohne Zweifel empfand. Sicher hatte mancher Gitarrenmusik noch nicht so spielen
gehört, konnten die Gitarristen dem Publikum doch auch höchst moderne bis ins
Disharmonische reichende Klänge nahe bringen, die sich jedoch öfter wieder in harmonische Sequenzen auflösten.
Beachtlich auch, wie einfühlsam die Künstler ihre Instrumente im Wechselspiel einsetzten
und zudem noch mehrere Soli virtuos zu Gehör brachten.
Hja
Das Gitarrenduo "Losers Toy", das sich mit einem Percussionisten verstärkt hatte, bot beim
Klassischen Frühstück im hervorragend besuchten Kupferdächle erstklassige Fingerarbeit.

GITARRENMUSIK ZUM FRÜHSTÜCK

Eine Veranstaltung besonderer Art findet im Kupferdächle in monatlichem Rhythmus statt;
das "Klassische Frühstück". Basierend auf der erkenntnis, dass normale Cafés sehr anonym
sind, wird in der Pforzheimer Jugendbegegnungsstätte ein Frühstück in lockerem Rahmen
angeboten. Jedes Mal treten Künstler live auf, die klassische Musik darbieten.
Der Auftritt des Gitarrenduos "Losers Toy" wurde am Samstag zum bisher bestbesuchtesten
Klassischen Frühstück. Die beiden Gitarristen Matthias Hautsch und Diego Zendeh, die sich
durch den Percusionisten Martin Hohwalter verstärkt hatten, boten ein vielseitiges
Programm. Stücke von Al Di Meola, John Mc Laughlin und Paco De Lucia,
Eigenkompositionen, Jazz-Standarts, Flamencos und lateinamerikanische Rhythmen, spielten
sie in hervorragender Weise. Hautsch und Zendeh stellten dabei eindrucksvoll ihre besondere
Klasse im Gitarrenspiel heraus; die Stücke bieten den beiden viel Raum für Improvisationen.
Ble
Eröffnung des zwölften Musikwinter Gschwend mit Star-Jazzer Michael Brecker

Musik wie aus dem Vulkan und Klänge wie Gesänge von Walen

Der "Mythos Gschwend" lebt weiter. Nun läßt sich wieder diese eigentümliche Erfahrung
machen: Man gondelt kilometerweit auf verlassenen Straßen durch den Schwäbischen Wald
und trifft auf vier Weltklasse-Musiker. Der Gschwender Musikwinter macht's wieder einmal möglich.
Am Freitag hat die neue Saison in der Gemeindehalle begonnen. Und wie! Jeder
renommierte Jazz-Club könnte stolz darauf sein, eine Formation wie die Michael Becker
Group zu präsentieren. Natürlich waren da einige Vorarbeiten nötig, um die Gschwender
Gemeindehalle mit ihrer putzigen Guckkasten-Bühne auf Jazz-Ambiente zu trimmen. Viele
ehrenamtliche Helfer haben dabei wieder mit Hand angelegt. Auch das gehört zum ,"Mythos
Gschwend". Für den musikalischen Auftakt am Freitag sorgte zunächst die Fusion-Band "Get
it" mit Funk, Pop und Jazz. Bereits hier waren hochkarätige Musiker zu hören, von denen
Matthias Hautseh die Auszeichnung; erhielt, einer der ,,talentiertesten Gitarristen der
europäischen Fusion-Szene" zu sein. Die Band spielte überwiegend eigene Stücke. Häufig
wurden elektronische Klänge beigemischt, die teilweise an Gesänge von Walen erinnerten.
Dann gab's ein kerniges Latino-Stück mit vertracktem Rhythmus, quasi ein Samba für Dreibeinige.
Und immer wenn Sebastian Studnitzky zu seinen samtweichen Flügelhorn-Soli ansetzte,
entstand so ein bißchen Miles-Davis-Atmosphäre. So weit, so beeindruckend. Dann kam die
Umbaupause...................
Matthias Hautsch und "Get it" bei Jazz im Schloss

LEIDENSCHAFTLICH - SCHWUNGVOLL - EINFALLSREICH

Einen idealen Rahmen haben da, die Veranstalter der Reihe "Jazz im Schloss", die
Neuenbürger Stadtverwaltung und die Jugendmusikschule, gefunden. Im Gewölbekeller des
Schlosses. Hoch über Neuenbürg gelegen, läßt sich's an Tischen und Bänlen urig und
gemütlich sitzen und genüsslich ein Bier trinken. Das schmeckt dann doppelt gut, wenn das
Musikprogramm so abwechslungsreich, mal mit jazziger Power, mal mit gefühlsbeladenen
Balladen, den idealen Rahmen dazu gibt. Matthias Hautschs Gruppe "Get it" liess es in dieser
Hinsicht an nichts fehlen und besaß auch die Vielseitigkeit, das altersmäßig sehr gemischte
Publikum, von den Kindern bis zu den Großeltern war alles vertreten, in seinen Bann zu
ziehen. Die meisten Titel des Abends stammten aus der Feder von Matthias Hautsch, und das
hervorspringende Stilmerkmal ist die Fusion aus Rock-, Funk- und Latinjazz. Obwohl "Get
it" als Gruppe den Neueintritt des Keyboarders vor zwei Tagen zu verkraften hatte,
präsentierte sich die Band als homogenes Ganzes, das die Ideen des Leadgitarristen Hautsch
mit viel Schwung und ausgebufftem Können über die Rampe brachte. Für einen besonderen
Ruhepunkt im funkigen Jazzgewühle sorgte Matthias Hautsch mit einer Solonummer auf der
akustischen Gitarre. Ein hoch kultiviertes Stück mit weitausladenden Akkorden, die immer
wieder durch impulsive Melodien und Motive zusammengehalten wurden. "On the river" hieß
anscheinend dieses gelungene Stück, das die Zuhörer sichtlich in seinen Bann schlug. Hätte
aber auch ohne weiteres "Spätzle mit Soß" heißen können, wie der Spieler augenzwinkernd
hinzufügte. Nun, wohlschmeckend wie Spätzle mit Soß war's, was die Gruppe "Get it" an
diesem Abend im Schlosskeller zu Neuenbürg servierte, mit leidenschaftlichen Saxophonsoli,
schwungvollem Keyboardspiel, prägnanten und einfallsreichen Trompeteneinsatz, einem
zündenden Schlagzeug und, last not least, den ideenreichen Gitarrenimprovisationen.
Tilman Hagen

Musiker aus Großraum Pforzheim sahnen bei Nachwuchswettbewerb Preise ab

STARKER JAZZ-NACHWUCHS

Freude bei einer Handvoll junger Jazzmusiker aus Pforzheim und Umgebung. Beim erstmals
von der Mercedes-Benz-Niederlassung Stuttgart veranstalteten Wettbewerb "Unerkannte
Talente des Jazz" heimsten überwiegend Nachwuchsmusiker aus dem Großraum Pforzheim
die ersten Preise im Gesamtwert von 15.000 Mark ein. Die um den Neuenbürger Trompeter
Sebastian Studnitzky formierte Band "Die Studenten" stand am Ende auf der obersten Stufe
des Siegertreppchens und kassierte ein Preisgeld in Höhe von 7.000 Mark. Auf dem zweiten
Platz landete Matthias Hautsch s Formation "Get it", die sich mit ihrer gelungenen
Präsentation fetziger Fusionskompositionen 5.000 Mark verdiente. Platz drei belegte
schließlich das Duo "Double Time", das für seine abgefahrenen Titel mit immerhin noch
3.000 Mark belohnt wurde.
Mehr als 200 Bands aus ganz Baden-Württemberg hatten sich um die Teilnahme an dem
musikalischen Wettstreit "Unerkannte Talente des Jazz" beworben - zwölf Formationen
wurden schließlich anhand von Demobändern von einer Fachjury für die dreitätige Live-
Präsentation ausgewählt.
Dass es sich die Verantwortlichen bei der Vorauswahl nicht leicht gemacht hatte, wurde bei
den Auftritten der jungen Musiker deutlich: Ob Bebop oder Swing, Fusion, Freejazz oder
popgeprägte Jazzarrangements - die Bandbreite der vertretenen Stilrichtungen hätte kaum
größer und interessanter sein können, die Leistung der jungen Talente - überwiegend
Studenten der baden-württembergischen Musikhochschulen - waren zudem alles andere als
durchschnittlich. Dass "Die Studenten", "Get it" und "Double Time" am Ende auf dem Siegertreppchen standen, war wohlverdient:
Alle drei Formationen überzeugten gleichermaßen durch gute Kompositionen, Spielfreude und
Können - die Entscheidung der Fachjury war am Ende mit der Wahl des Publikums nahezu
identisch.
Nach dem gelungenen Dabüt denkt Thomas C. Zell, Direktor der Stuttgarter Mercedes-Benz-
Niederlassung, schon über eine Neuauflage des jazzgeprägten Talentschuppens nach. Ob es
allerdings schon 1997 eine Neuauflage des Nachwuchswettbewerbs geben wird, ist derzeit
noch offen.
Von PZ-Redakteur Ralf Recklies

Matthias Hautsch und "Get it" stellten im restlos ausverkauften "domicile" ihre erste
CD-Produktion vor

ÜBERZEUGENDE EIGENKOMPOSITIONEN

Ich hatte ja damit gerechnet, dass es voll wird. Aber dass so viele Leute gekommen sind, das
ist schon überwältigend. Die Last, die in den letzten Tagen vor der CD-Präsentation auf den
Schultern von Matthias Hautsch gelegen hatte, ist nach dem Konzert im Brötzinger Jazzclub
"domicile" wie weggeblasen. Fröhlich und unbeschwert hält der Gitarrist und "Get it"-
Bandleader hier ein Schwätzchen und begrüßt dort Freunde, die er während des Auftritts im
restlos ausverkauften "domicile" übersehen hat. Was Hautsch natürlich besonders freut:
Immer wieder bekommt er für die Live-Präsentation viel Lob zu hören. Und dass die Worte
der Begeisterung nicht nur Schall und Rauch sind, wird auch an den CD-Verkaufszahlen
deutlich. Der Silberling geht weg wie warme Semmeln.
Dies verwundert nach dem lebhaften und abwechslungsreichen Fusionsabend auch nicht,
schliesslich haben Matthias Hautsch und dessen "Get-it"-Mitstreiter Sebastian Studnitzky
(Trompete), Libor Sima (Saxophon), Christoph Dangelmaier (Bass), Thorsten Grau
(Schlagzeug) und Holger Engel(Keyboard) ein buntes musikalisches Feuerwerk
abgebrannt, das am Ende keine Wünsche offen liess.
Ganz gleich ob Hautsch, wie zu Beginn des zweiten Sets, im Alleingang das leise "Rue des
Pierre" spielte, in minimaler Bandbesetzung (Bass, Gitarre und Schlagzeug) John Lennons
"Imagine" in eigener Bearbeitung vortrug oder kraftvoll und unter Einsatz aller zu "Get it"
gehörenden Musiker den Titel "Watson go on" präsentierte - immer gelang es ihm, das
Publikum zu begeistern, wobei mit Ausnahme von zwei Stücken ausschliesslich
Eigenkompositionen zu hören waren.
Auch wenn Matthias Hautsch als Komponist, Arrangeur und Bandleader im "domicile" die
erste Geige spielte, so liess er den einzelnen Bandmitgliedern doch genügend Freiraum, um
sich auch mit glanzvollen Sololeistungen zu präsentieren. Sebastian Studnitzky, der eigens für
das Konzert von Boston nach Brötzingen gekommen war, glänzte mit seinen Spielleistungen
auf Trompete und Flügelhorn als Lokalmatador neben Hautsch ebenso wie Libor Sima, der
seinen Saxophonen gleichermaßen sanfte wie kraftvolle Tonfolgen entlockte und dessen
herausragendes Spiel mit viel Beifall belohnt wurde. Faszinierend vor allem Simas
musikalisches Zwiegespräch mit Hautsch bei dem zum Abschluss präsentierten
"Chromazone". Entfesselt spielte auch Holger Engel auf, der bei seinen Soli wie im
Rausch in die Tasten griff und wie die Bläser immer aufs neue glanzvolle Akzente setzte. Und
was wären Hautsch und "Get it" ohne eine gute Rhytmussektion: Thorsten Grau und
Christoph Dangelmaier sorgten mit Schlagzeug und Bass immer für den richtigen Groove,
ganz gleich ob lateinamerikanische, funkige oder rockige Rhythmen angesagt waren.
Gab es schon während der Einzeldarbietungen viel Applaus, so zollte das Publikum am Ende
mit anhaltendem Beifall gleichermaßen Dank und Anerkennung für einen Fusionsabend, der
kurzweilig, spannend und niveauvoll war.
Von PZ-Redakteur Ralf Recklies